Lektoratsstandorte:Naryn

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Inhaltsverzeichnis

Stadt und Leben in Naryn

Auf 2030 Metern Seehöhe, im Zentral-Tien-Shan-Gebirge liegt die 40.000-Einwohnerstadt Naryn. Naryn ist das Verwaltungszentrum des gleichnamigen Gebiets (narynskaya oblast‘) und auch der Fluss an den die Stadt gebaut ist, trägt diesen Namen. Durch die hohen Berge, die Naryn umgeben, ist die Stadt sehr langgezogen und schmiegt sich durchgehend an eine Hauptstraße, die Ulica Lenina. Das Zentrum bildet ein großer Platz vor dem Verwaltungsgebäude, der etwas verlassen wirkt und durch seine Architektur an die sowjetische Vergangenheit Kirgisistans erinnert. Obwohl Naryn die Gebietshauptstadt ist, hat sie wenig Städtisches an sich. Es gibt ein Theater, das nur zu sehr seltenen Anlässen geöffnet ist und auch die städtische Galerie findet man meist verschlossen vor. In Naryn gibt es keine Supermärkte, dafür aber viele Tante-Emma-Läden und einen relativ großen Markt.

Seit dem Zusammenbruch der UdSSR gibt es in Naryn keine nennenswerten Betriebe mehr. Selbst die ehemalige Textilfabrik wurde geschlossen und 1996 zum Hauptgebäude der Staatlichen Universität Naryn umfunktioniert. Die hohe Arbeitslosenrate – nicht zuletzt unter Jugendlichen – ist daher kein neues, und bedauerlicher Weise stark zunehmendes Problem. Vielen Menschen bleibt keine andere Wahl als in der Hauptstadt oder im Ausland nach Arbeit zu suchen. Neben den wenigen Arbeitsplätzen im Verwaltungsbereich, finden die meisten Einwohner Naryns ihre Beschäftigung im Handel oder in der Viehzucht. Die Viehzucht ist der wichtigste Wirtschaftssektor, obwohl viele der tierischen Produkte nicht auf den Markt kommen, sondern für den Eigenbedarf genutzt werden. Die meisten Leute in und um Naryn sind bis heute zum Großteil Selbstversorger und haben eigene Nutztiere. Viele Familien sind außerdem auf die finanzielle Unterstützung von Familienmitgliedern, die in Bischkek oder im benachbarten Ausland arbeiten, angewiesen.

Schulen und Universitäten in Naryn

In der Stadt Naryn gibt es acht Grund- und Mittelschulen. In zwei dieser Schulen wird derzeit noch Deutsch unterrichtet. Die Schule Nr.2 (Tschkalov-Schule) ist Partnerschule der Pasch-Initiative des Goethe-Instituts (http://www.pasch-net.de) und bietet verstärkt Deutsch als Fremdsprache an. Die Schule wird im Rahmen der Pasch-Initiative sowohl materiell als auch fachlich unterstützt. Die LehrerInnen der Schule haben die Möglichkeit an Fortbildungsseminaren des Goethe-Instituts teilzunehmen. Für die SchülerInnen gibt es die Chance Sprachzertifikate abzulegen (FIT-Test) und an Sommerschulen im Land oder auch an Austauschprogrammen mit Deutschland teilzunehmen.

Zurzeit gibt es in Naryn nur eine Universität, nämlich die Staatliche S.Naamatov Universität (NSU, www.nsu.ktnet.kg). Neben dieser sollte im Jahr 2014 die private „University of Central Asia“ (UCA, www.ucentralasia.org) eröffnet werden. Die UCA ist ein sehr ambitioniertes Vorhaben, deren Ziel es ist, Bergregionen in Zentralasien durch die Aus- und Weiterbildung von Wissenschaftlern und qualifizierten Fachkräften zu fördern. Zwei weitere Filialen der vom „Aka -Khan-Development-Network“ finanzierten UCA, werden zurzeit in Khorog (Tadschikistan) und Tekeli (Kasachstan) errichtet. Den Studenten sollen durch das innovative, auf Englisch unterrichtete Curriculum neue Bildungs- und Forschungsmöglichkeiten auf hohem Niveau geboten werden. Im Zentrum von Naryn steht bereits ein Verwaltungsgebäude der UCA, in dem Berufsbildungs- und Sprachkurse angeboten werden. Der riesige Unicampus wird am Stadtrand gebaut, und noch ist es schwer sich vorzustellen, dass er 2014 schon in Betrieb gehen soll.

Bosch-Lektorat

Das Bosch-Lektorat ist seit 2011 an der Staatlichen S.Naamatov Universität angesiedelt. Die Universität wurde erst 1996 gegründet und besteht derzeit aus vier Fakultäten (Agrartechnische, Philologische, Pädagogische und Ökonomische Fakultät), an denen es circa 3000 Studierende und 150 Lehrende gibt. An der Universität angesiedelt sind sieben Sprachlernzentren, je eines für Chinesisch, Japanisch, Englisch, Türkisch, Arabisch, Koreanisch und Deutsch. In allen Sprachlernzentren gibt es mittlerweile mindestens einen Muttersprachler, der die jeweilige Sprache unterrichtet und die örtlichen Kräfte unterstützt.

Im Deutschsprachlernzentrum gibt es zurzeit zwei Deutschlehrerinnen, die mit Unterstützung der Bosch-Lektorin/des Bosch-Lektors die Sprachkurse leiten, sowie kulturelle Veranstaltungen oder Seminare organisieren. Neben zwei Unterrichtsräumen, gibt es ein Büro mit kleiner Bibliothek. Die Studenten können sich dort Lehrbücher und Literatur ausleihen, bzw. sich über Stipendienprogramme und Austauschmöglichkeiten mit Deutschland informieren.

Die Bosch-Lektorin/ der Bosch-Lektor unterstützt auch die Arbeit des Internationalen Büros der Universität. An der NSU gibt es bereits viele bestehende Auslandskooperationen, so auch mit deutschen Partnern. Zwei sehr wichtige Kooperationspartner im Agrarbereich sind „Logo“ (www.logoev.de) und „Deula-Nienburg“ (www.deula-nienburg.de) – Programme, die Praktika für Studenten an landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland vermitteln– sowie die FH Weihenstefan, die ebenfalls Programme für Agrarstudenten anbietet. Die Möglichkeit zum landwirtschaftlichen Praktikum nach Deutschland zu gehen, wird von den Studenten sehr gut angenommen und ist ein großer Motivationsfaktor um Deutsch zu lernen.

Die Aufgabengebiete der Lektorin/des Lektors an der NSU sind sehr flexibel. Verpflichtend ist der Unterricht an der philologischen Fakultät (max. 6 Wochenstunden), daneben kann man sich mehr im Sprachlernzentrum (Unterricht, Organisation von Veranstaltungen und Seminaren, Beratung der Studierende und Lehrenden) oder im Internationalen Büro einbringen. Aufgaben gibt es genug!

Anreise

Naryn liegt ca. 380 Kilometer von Kirgisistans Hauptstadt Bischkek entfernt. Von Bischkek aus findet man am Autobusbahnhof West (Zapatny Avtovokzal), Taxis, Marshrutkas und Busse, die sehr häufig nach Naryn fahren. Ein Sammeltaxi kostet ca. 500 Som, die Marshrutka … Som und der Nachtbus…. Es empfiehlt sich mit einem Taxi zu fahren, da es die schnellste und unkomplizierteste Variante ist um nach Naryn zu gelangen. Man wartet meist nur kurze Zeit bis ein Auto voll ist und erreicht Naryn in 5-6 Stunden (die Fahrtzeit variiert je nach Straßenbedingungen, Fahrstil des Fahrers und Anzahl der Pausen). Da man nur über den 3050 m hohen Dolon-Pass nach Naryn gelangt und der im Winter meist verschneit ist, sollte man sich das Auto vor Fahrtantritt gründlich ansehen. Die Straßen nach Naryn sind leider nicht im besten Zustand; nach und nach wird die Strecke jedoch von chinesischen Firmen ausgebaut.

Von Naryn aus, findet man auf dem Autobusbahnhof Taxis, Marshrutkas und Busse in beinahe alle Richtungen. Nach Bischkek fahren neben Taxis, mindestens zwei Marshrutkas pro Tag und ein Nachtbus. Innerhalb Naryns kann man die meisten Strecken zu Fuß zurücklegen, oder man steigt in eine der zwei Marshrutka-Linien (5 Som), bzw. in eines der zahlreichen Taxis (10 Som), die ständig die Ulica Lenina auf und ab fahren.

Wohnen

Eine geeignete Wohnung in Naryn zu finden, stellt sich nicht ganz einfach dar. Viele Familien wohnen in Privathäusern, an der Ulica Lenina gibt es jedoch auch einige Wohnhäuser. Leider sind die Wohnungen in diesen Häusern nicht immer im besten Zustand. Wichtig ist es darauf zu achten, dass die Wohnung mit Heizung und Warmwasser ausgestattet ist. Das ist nicht überall selbstverständlich! In der Regel kosten 2-Zimmer-Wohnungen an die 3000 Som, als Ausländer muss man jedoch immer damit rechnen etwas mehr zu bezahlen.

Einkaufen

Auf dem Markt, der sich im Zentrum Naryns befindet, lässt sich beinahe alles kaufen. Von Haushaltsgeräten, über Kleidung, Schafsfelle, Handyzubehör und Schreibwaren bis hin zu Lebensmittel. In den warmen Monaten ist der Lebensmittelmarkt reich an Obst und Gemüse, wird es jedoch kälter, lässt auch die Produktauswahl schön langsam nach. Im Winter findet man kaum mehr, als Kartoffeln, Möhren oder lagerfeste Äpfel.

In den kleinen Geschäften, die man entlang der Ulica Lenina findet, gibt es das Nötigste; frische Waren findet man nur am Markt. Milchprodukte gibt es nur in wenigen Geschäften, entlang der Straßen findet man jedoch immer wieder Frauen, die Milch, Tvorog (Quark), Kymys (vergorene Stutenmilch) und Kurt (harte Käsebällchen) anbieten.

Gesundheitliche Versorgung

In Naryn gibt es einige Krankenhäuser und an jeder Ecke findet man Apotheken vor, die eher Drogerieartikel führen. Man sollte Medikamente daher besser schon in Deutschland kaufen und für alle Fälle mitbringen. Die Kompetenz der Ärzte und die Ausstattung der Krankenhäuser kann ich nicht aus eigener Erfahrung beurteilen, aber selbst Ortsansässige raten davon ab, örtliche Krankenhäuser zu besuchen. Wenn es wirkliche dringend ist, sollte man lieber nach Bischkek fahren.

Sprache

In Naryn leben fast ausschließlich Kirgisen, daher wird auch hauptsächlich Kirgisisch gesprochen (man behauptet sogar, in Naryn werde am Kirgisischsten überhaupt gesprochen). Viele Leute verstehen und sprechen auch Russisch, verwenden es jedoch nicht als Alltagssprache. Vor allem junge Leute, sehr alte Leute und Leute aus den Dörfern, sprechen meist nur sehr schlechtes Russisch, obwohl es immer noch Unterrichtsfach in den Schulen ist. Man sollte daher zumindest ein paar Wörter Kirgisisch lernen, um sich im Alltag zurechtzufinden.

Dazu gibt es ein Lehrwerk, das für die Peace-Corps-Volunteers entwickelt wurde und einen ganz guten Einblick in die kirgisische Sprache gibt. Kirgisisch ist eine Turksprache, benutzt aber das kyrillische Alphabet.

Andere Kulturmittler in Naryn

Im Verwaltungsgebiet Naryn gibt es zurzeit etwa 15 Peace-Corps-Volunteers, 7 davon arbeiten in Naryn Stadt an Schulen, dem American Center an der NSU, in Kindergärten und an der UCA. Außerdem gibt es jeweils einen Muttersprachler in den entsprechenden Sprachlehrzentren. Und von Zeit zu Zeit kommen auch Vertreter des DAAD, der Pasch-Initiative oder der UCA nach Naryn.

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