Lektoratsstandorte:Woronesch
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Woronesch - die Stadt
Woronesch ist fast eine Millionenstadt: 960.00 Menschen leben hier. Die Stadt ist genau so groß wie nötig und doch so klein, dass man sich recht schnell zurecht findet. Woronesch wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört, dennoch säumen die Hauptstraße des Zentrums „Prospekt Revoljuzii“ keine Plattenbauten, sondern charmant heruntergekommene Häuser. Woronesch ist zwar keine grüne Stadt, der Stausee, der sie teilt und kleine Grünanlagen machen sie aber zu einer gemütlichen und freundlichen Stadt. Auf den Straßen ist auch bei zweistelligen Minusgraden immer noch viel los: Woronesch ist lebendig. Viele kleine Kiosks und Fressbuden zieren die Straßen und im Zentrum gibt es ein Ballett-Theater, ein Puppentheater und noch einige weitere Schauspielstätten. Man kann Eislaufen gehen, es gibt natürlich Fitness-Studios und wer lieber zuschaut beim Sport: FK Energija Woronesch ist die beste Frauenfußballmannschaft Russlands, das Männerteam aus Woronesch ist gerade in die 1. Liga aufgestiegen. An Kultur, Clubs und Cafés gibt es auch einiges: zwei große und mehrere kleine Kinos, viele Bars, sogar ein bayerisches Bierzelt-Restaurant mit Weißwurst, Brezen und deutscher Schlagermusik. Vieles ist zu Fuß gut zu erreichen, ansonsten fahren ständig und überall Busse und Marschrutkas. Während der „Tschas Pik“, der russischen Rush-Hour“, ist man oft schneller, wenn man läuft, weil die Straßen verstopft sind und es nur schleichend voran geht.
Hier gibt es ein paar Fotos: https://picasaweb.google.com/115685944758699307549/Voronezh
Wer zu Fuß unterwegs ist, für den sind bei Regenwetter Gummistiefel eine gute Sache: In Woronesch verwandeln sich manche Gehwege in Seenlandschaften. Sehenswert und sehr praktisch ist der große Markt im Zentrum „Zentralny Rynok“. Dort gibt es Kochtöpfe, Strumpfhosen, CDs und vor allem viel frisches Obst, Gemüse und Brot. Natürlich gibt es auch unzählige Supermärkte und Malls im europäisch-amerikanischen Stil mit Riesen-Auswahl.
Das „Woronescher Meer“, ein Stausee, teilt die Stadt in eine rechte und eine linke Uferseite. Auf der rechten Seite befinden sich das Rathaus, der Leninplatz und das Stadion des lokalen Fußballclubs Fakel Woronesch, ist also das Zentum. Links des „Woronescher Meers“, über das drei Brücken führen, sind noch viele weitere Märkte und Geschäfte. Es lohnt sich dorthin zu fahren, obwohl die Bewegung der Stadt eher von links nach rechts ist. Baden soll man im Stausee angeblich nicht, weil er sehr verschmutzt ist. Es gibt allerdings Mutige, die das dennoch tun. Von Woronesch aus lassen sich zum Beispiel auch schöne Wochenendausflüge ins Schwarzerdgebiet, nach Divnogurije, organisieren. Im Winter kann man nicht weit vom Stadtzentrum entfernt langlaufen. Die Strecke ist sehr gut und Ski kann man vor Ort für wenig Geld leihen. Die Zugverbindungen nach Moskau sind außerdem hervorragend: Eine Nacht und etwa 900 Rubel und man ist in der Hauptstadt; mit dem Bus geht es noch schneller und billiger. Vom Ankunftsbahnhof sind alle drei Moskauer Flughäfen gut erreichbar, am schnellsten ist man in Domodedovo. Zudem gibt es auch in Woronesch einen Flughafen, etwa 30 Autominuten vom Zentrum entfernt. Direktflüg aus Deutschland allerdings nur von München aus. In Woronesch gibt es auch einen großen Busbahnhof, der die Stadt mit den für russische Verhältnisse in der Nachbarschaft gelegenen Lektoratsstandorten Belgorod, Tula, Charkov (Ukraine) oder Wolgograd verbindet.
Das Klima in Woronesch ist im September sehr angenehm und wärmer als in Deutschland. Danach wird es zunehmend kälter und von einem Tag auf den anderen kann das Thermometer 15 Grad weniger anzeigen. Die Kälte erscheint erträglicher als in Moskau, unterscheidet sich faktisch aber kaum. Ende Oktober beschließt der Bürgermeister meist die Heizungen anzustellen, was Unterrichten ohne Jacke und kalte Finger dann wieder möglich macht. Im Winter, wenn es um die -20 Grad kalt wird, sind die Unterrichtsräume zum Teil trotz Heizung ein bisschen klamm.
Alle kleinen Unannehmlichkeiten und Infrastrukturmängel nimmt man aber geduldig und gerne in Kauf, weil die Stadt und die Menschen einen warm, herzlich und meist sehr offen empfangen. Es ist leicht, Menschen aus unterschiedlichen Kontexten kennen zu lernen und ins Gespräch zu kommen – auch mit wenig Russisch-Kenntnissen. Viele interessieren sich dafür, wo man herkommt und was man gerade in Woronesch macht und warum. Die Stadt wirkt lebendig, bodenständig und sehr menschlich.
Universität
In Woronesch gibt es mehr als ein Dutzend Universitäten, darunter auch die WGPU, die Staatliche Pädagogische Universität Woronesch, an der die Boschlektoren arbeiten. Die größte und bekannteste Universität in Woronesch ist die WGU, die "Staatliche Universität Woronesch“. Auch dort gibt es Deutsch-Studierende. An der WGU unterrichtet ein DAAD-Lektor, an der WGPU sind eine österreichische Lektorin und der Boschlektor als Muttersprachler tätig. Da es viele Universitäten in Woronesch gibt, ist die Konkurrenz um Studenten einigermaßen groß, denn mit der Zahl der Studierenden steigen auch die Einnahmen der Unis. Dies ist nicht nur in Woronesch so, sondern ein Phänomen in ganz Russland.
Die WGPU liegt unweit vom Zentrum und ist eine Campus-Uni. Auch das Studentenwohnheim, in dem die Boschlektoren ein Zimmer gestellt bekommen, ist nur fünf Minuten entfernt. Die meisten Studierenden wohnen in den Wohnheimen direkt an der Universität. Die WGPU wurde 1931 als Agraruniversität gegründet und umfasst heute nahezu alle Fächer, die auch eine klassische Universität anbietet. Erst 1993 wurde die Universität eine pädagogische.
An der WGPU studieren außer russischen Studenten auch einige ausländische Studierende, vor allem aus Mosambique, dem Kongo, Ruanda, Turkmenistan, aus der Mongolei, Frankreich, China, Vietnam und der Ukraine. Für Ausländer an der Universität gibt es ein extra Büro und Ansprechpartner, die bei Formalia helfen. Leider spricht man dort nur sehr wenig Englisch und auch keine anderen Fremdsprachen. Russisch ersetzt in Woronesch auch bei der Kommunikation mit anderen Ausländern oft Englisch.
Der Haupt-Arbeitsplatz des Boschlektors ist am Lehrstuhl für deutsche Sprache (Fakultät für Fremdsprachen). Dort werden etwa 150 Studenten sowie 50 Fernstudenten betreut. Das reguläre Studium dauert fünf Jahre. Die Studenten sind etwa 22 Jahre alt, wenn sie ihr Examen machen. Als Boschlektor ist man für einen Teil des Unterrichts im 4. und im 5. Studienjahr eingeteilt. Darunter fallen die Kurse „Medien in Deutschland“ und „Jugend in Deutschland“. Schwerpunkte kann man dabei eigenständig setzen. Die Studierenden sind fast immer diskussionsfreudig und lebendig und nehmen Gruppenarbeiten oder andere interaktive Methoden an.
Website der Universität (nur russisch): www.vspu.ac.ru
Projektarbeit Organisationsentwicklung
Die Lehrstuhlmitarbeiter und auch die Dozenten in leitenden Funktionen sind sehr aufgeschlossen, was Projektarbeit angeht und auch bei der Verbesserung von Organisationsabläufen. Vor allem die Bosch-Ansprechpartnerin arbeitet auch daran mit. Derzeit läuft seitens der Boschlektorin die Ankurbelung der Nutzung des Internets als Kommunikationsplattform und auch als Unterrichtsunterstützung. Die Kommunikation über das soziale Netzwerk «в контакте» soll die Verbindung von Boschlektoren und Studierenden beispielsweise verbessern. Zudem werden E-Mail-Adresslisten erstellt. Geplant ist auch einen Lehrstuhl-Newsletter einzurichten.
Nicht nur am Lehrstuhl für deutsche Sprache und an der Fakultät für Fremdsprachen gibt es Aufgaben für Boschlektoren. Auch die Universitätsleitung bindet die Boschlektoren bei Bedarf gelegentlich in die Verbesserung von Universitätsstrukturen ein, namentlich das Prorektorat für Lehre und Erziehung. Das Prorektorat kümmert sich um die außercurriculären Aktivitäten der Studierenden aller Fakultäten. Die Tätigkeit des Boschlektors beim Prorektorat umfasst unterstützende Tätigkeiten, wie z. B. Beiträge zu Konferenzen. Beispielsweise fand im November 2010 eine Beratung und Unterstützung bei der Organisation eines Runden Tisches zum Thema Toleranz statt, bei dem vor allem die in Russland verbreitete Vortragsweise von einer stärker diskursiven und das Auditorium einbindenden Diskussionskultur ergänzt werden sollte. Im Dialog wurde ein Ablaufplan und die Moderatoren-Aufgabe erarbeitet und nach der Veranstaltung evaluiert, sodass beim nächsten Runden Tisch weitergearbeitet werden kann.
Projekte
Fortbildungen mit Studierenden zum Thema „Rhetorik und Präsentation“ sowie „Wissenschaftliches Arbeiten“ haben viel Interesse hervorgerufen. Geplant sind weitere Fortbildungen für Studierende und Dozenten. Zudem sind Deutsche Tage in russischen Regionen unter dem Woronescher Motto „Deutsch bewegt“ für September 2011 bewilligt. Dabei sollen Filmvorführungen, Theaterstücke, Vorträge, Kunst-Performances, ein Mädchenfußballturnier in Anlehnung an die Frauen WM 2011 sowie Aufsatz-, Projekt- und Postkarten-Gestaltungswettbewerbe stattfinden. Für das laufende Lektoratsjahr ist ein Medienprojekt geplant, das auch als Kooperation mit weiteren Bosch-Standorten in Russland laufen soll.